Geschichte

Die Krippentradition in Tirol lässt sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Ursprünglich wurden Weihnachtskrippen nur in Kirchen und Klöstern aufgestellt. Bereits um 1608 wird eine Krippe in der Jesuitenkirche in Innsbruck und in Hall in Tirol erwähnt. Zur Zeit der Aufklärung wurden jedoch die Krippen aus den Kirchen verbannt und hielten deshalb Einzug in die Bürger- und Bauernhäuser. Waren die ersten Weihnachtskrippen noch gekleidet, so finden wir ab Ende des 18. Jahrhunderts zuerst gemalte Papier- und dann geschnitzte Figuren. Die älteste Hauskrippe, die uns in Tirol erhalten blieb, ist die des Maxenbauern in Thaur (1. Hälfte des 17. Jahrhunderts). Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das heilige Geschehen der Krippendarstellungen ins Tiroler selbst verlegt; es gab damals nur heimatliche Krippen. Der Thaurer Einsiedler Felix Zimmerling unternahm 1852 eine Palästinareise und fertigte von da an auch orientalische Krippenberge an. Die Entstehung des Nazarenerstils in der Kunstrichtung vervollständigte den orientalischen Charakter.

Die von Joseph Giner (Klausenseppl) und Joseph Kramer (Mundler) im 18./ 19. Jahrhundert hergestellten und bemalten Papierfiguren wurden von den aus Holz geschnitzten Figuren sehr bald verdrängt. In den letzten Jahren jedoch begann man wieder diese zu schätzen und stellen für den Besitzer eine Kostbarkeit dar.

Die berühmtesten Thaurer Krippenfigurenschnitzer waren Johann Giner der Ältere und sein gleichnamiger Sohn Johann Giner der Jüngere. Der erfolgreichste „Nachbildner der Ginerfiguren“ war Johann Laimgruber, genannt Mundi, der neben seinem Beruf als Salzbergarbeiter seine ganze Freizeit für Schnitzen verwendete. Weiters haben sich noch Johann Plank und Romed Riedmüller als Schnitzer einen Namen gemacht. Einer der bekanntesten ortsansässigen Bildhauer der jüngeren Zeit war Meister Romed Speckbacher sen. Sein gleichnamiger Sohn Romed Speckbacher jun. führte die Krippentradition fort. Dessen Tochter Mathilde Thurnbichler ist derzeit in der Werkstatt Speckbacher erfolgreich tätig.

Als Maler der Krippenhintergründe (Landschaften) sollen besonders erwähnt sein die Thaurer Andrä Leitl, Franz Pernlochner III. (Schandl) und dessen Sohn Dr. Franz Pernlochner IV. Die „Schandlerer“ verstanden es meisterhaft, in schlichter Darstellung den Übergang vom Krippenberg zur Landschaft herzustellen. Auch dieses Tradition wird heute durch den Restaurator Franz Niederhauser jun. fortgesetzt. Dessen gleichnamiger Vater Franz Niederhauser sen. betätigt sich mit großer Leidenschaft bei der Fassmalerei (bemalen und vergolden der Figuren). Auch Barbara Feichtner ist eine Fassmalerin der Jetztzeit. Ein Teil der Krippen wurde mit Hintergründen vom Zirler Franz Seelos jun. ausgestattet.

Als Verfertiger von Krippenbergen sind Felix Zimmerling, Michael Deiser (Krumer Much), Johann Farbmacher (Denggen) und dessen Sohn Romed Farbmacher zu erwähnen. In letzter Zeit haben sich eine Reihe von Personen mit dem Bau von Krippenbergen verschrieben. Erwähnenswert ist die 2003 errichtete Krippenwerkstatt und Krippenstube des Krippenvereines Thaur. Hier werden Kurse im Krippenbergbau, Hintergrundmalen, Pudelfärben, Baum und Palmenbau, sowie Klosterarbeiten angeboten und durchgeführt. In unzähligen Stunden wird die Krippentradition fortgesetzt und die Bevölkerung mit der Krippenleidenschaft „infiziert“.

Der Thaurer Krippenberg ist aus Buchenstöcken und Rinden zusammengebaut. Zur Abdeckung des Berges wir anstelle von Moos meist gefärbtes Sägemehl „Pudel“ verwendet. Der Thaurer Berg hat meist orientalischen aber auch heimatlichen Charakter.

Das Krippendorf Thaur freut sich in der Zeit von Weihnachten bis zum 15. Jänner (Fest des hl. Romedius) auf Krippenbesucher.